Heiko Seibels Marktkommentar für Dezember 2011
Veröffentlicht am 20.03.2012
Das Jahr 2012 steht vor der Tür und es ist an der Zeit in die Glaskugel zu schauen und die ersten Tendenzen für das neue Jahr herauszuarbeiten.
Eines ist bereits heute klar: Am 21.12.2012, dem Datum des Weltuntergangs nach dem Maya Kalender, wird die Welt nicht untergehen. Die Erklärung liefert der Katastrophenepos "2012" im Untertitel gleich mit: "Wir waren gewarnt" und alles worauf sich der Mensch (und Investoren sind auch nur Menschen) vorbereiten kann, wird dann doch nicht so heiß gegessen, wie es gekocht wird. Bad-News werden dann plötzlich Good-News. Ein paar Bad-News stehen fürs kommende Jahr bereits fest.
Nehmen Sie einfach den Kreditmarkt. Es ist – zum Glück ein offenes – Geheimnis, dass vor allem im ersten Quartal 2012 der Kreditmarkt massiv beansprucht wird. Allein im Januar braucht Italien über 35 Mrd. Euro, im Februar kommen dann nochmals 48 Mrd. Euro dazu. Nur Italien! Auch der Rest Europas, wie z.B. Frankreich und Spanien benötigt im ersten Quartal Kredite im hohen zweistelligen Milliardenbereich. Ob sich private Sparer mobilisieren lassen ist in Anbetracht der noch immer fehlenden Lösung der Eurokrise zumindest zu bezweifeln, aber trotzdem habe ich keine Sorgen, dass der Markt enttäuscht wird. Die EZB wird es im Zweifel richten und als "lender of last resort" auftreten. Das sind Good-News.
Rückgang der Konjunkturen schon eingepreist
Von der Kredit- zur Realwirtschaft. Der Rückgang der Konjunkturen in Europa, Großbritannien, den USA und last but not least China ist ebenfalls weitreichend bekannt. Die Bewertung der Unternehmen spiegeln dieses "moderate" Szenario jedoch schon vollends wider. In vielen Ländern übertreffen mittlerweile die Dividendenrenditen die Renditen von ebenfalls nicht ganz unriskanten Staatsanleihen um Längen. Zudem werden nicht nur in China die geldpolitischen Zügel weiter gelockert. Ein klarer Fall von Good-News!
Auch die historisch schlechten Umfragewerte des demokratischen US-Präsidenten Obama im Vorwahljahr und der Alternativenmangel seitens der Republikaner ist dem Markt bekannt. Gleichwohl der Wahlausgang am 6. November 2012 zum heutigen Zeitpunkt absolut offen erscheint, wird sich der Markt seine Meinung bilden und irgendwann im Herbst kommenden Jahres die Good-News Karte spielen. Wahljahre sind nämlich historisch gute Börsenjahre, rund 12% beträgt der Kursgewinn in einem Wahljahr beim Dow Jones Industrial Average.
Die Risiken bleiben global
Natürlich gibt es auch Risiken, welche die zumindest nicht gerade stabile Situation ins Wackeln bringen könnten. Denken wir in erster Linie an einen Zahlungsausfall innerhalb der Eurozone. Zwar kann ich mir kaum vorstellen, dass ein Land aus dem europäischen Kern – der EZB sei Dank – in die Pleite geht, aber kleinere Peripherieländer wie z.B. Griechenland und Portugal sind nach wie vor gefährdet. Zahlungsausfälle, eine Bankenkrise, verbunden mit erheblichen Wachstumsrückgängen sowie die Wiedereinführung von Kapitalverkehrskontrollen wären die logische Folge.
Sicherlich könnte auch China härter landen, als erwartet. Da China durch Industrialisierung und Exporte wächst, würden in diesem Fall sicherlich die Rohstoffmärkte einen erheblichen Dämpfer bekommen. Ein immer noch rudimentär ausgebautes Sozialsystem wäre mit der Schar an Hilfebedürftigen wohl überlastet. Die soziale Stabilität des Aufschwungs wäre dann gefährdet.
Und auch das Thema Iran könnte sich zuspitzen. Einen Ausfall des drittgrößten Öl-Exporteurs auf dem Globus hätte eine Panikspitze beim Öl zur Folge. Preise um die 200 USD sind dann vorstellbar und dieser Ölschock wäre noch einmal Gift für die darbende Weltkonjunktur.
Soweit zur Roadmap 2012. Prognosen sind immer schwierig, vor allem, wenn Sie die Zukunft betreffen, aber die derzeitige Stimmung ist vielleicht (schon) so schlecht, dass allein das Ausbleiben der Risikoverstärker, die Märkte vorm Weltuntergang bewahren sollte – zumindest im Jahr 2012.
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