Heiko Seibels Marktkommentar für November 2011

Veröffentlicht am 20.03.2012

Als Caesar im Jahr 49 v. Chr. die Grenze zwischen Gallien und Italien überquerte, wusste er, dass es kein Zurück mehr gibt und Rom sein Handeln als Kriegserklärung auffassen würde. Am Fluss namens Rubikon sprach der spätere Diktator: „Die  Würfel sind gefallen“.  Was hat sich wohl Giorgos Papandreou, der Ex-Premier Griechenlands gedacht, als er sich jüngst mit der Eurozone anlegte?

Es ist vielleicht übertrieben gleich von Krieg oder Kriegserklärungen zu sprechen, aber die Handlungen des nunmehr  – ehemaligen – Ministerpräsidenten Griechenlands, hatten schon Züge einer Herausforderung Europas, genauer gesagt, die geldgebenden Staaten der Eurozone.

Mindestens jedoch wollte der Ex-Premier in erster Linie uns, die Geldgeber, erpressen. Die Eurozone sollte NOCH mehr Geld zahlen, Hellas dann weniger sparen müssen und mit diesem Geschenk die Wähler in Griechenland besänftigen. Ich bin froh, dass dieses Kalkül jämmerlich gescheitert ist – erstmals überhaupt haben unsere Staatslenker in Berlin, Paris und Brüssel erkannt, dass der Rubikon überschritten ist und die Hilfsgelder demonstrativ eingefroren.

Ich bin der festen Überzeugung, dass der Premier mit seinem Handeln weniger sein Volk durch eine Volksbefragung hinter sich bringen, sondern vielmehr seinen Platz in den Geschichtsbüchern sichern wollte, genauso wie Caesar.  Nach der Posse und dem kläglichen Scheitern des Referendums wird uns Herr Papandreou jedoch allenfalls als Bankrotteur in Erinnerung bleiben. Der Würfel ist auch gefallen.

Eine Volksbefragung ist zwar kein schlechtes Instrument der politischen Mitbestimmung, doch dann sollten bitte künftig alle Länder abstimmen, bevor sie das Geld der Geberländer einstecken. Vor der Rettung würde dann feststehen, ob diese  Länder wirklich bereit sind, auch ´blood, sweat and tears´ zu akzeptieren, um in der Eurozone zu bleiben.  Und überhaupt muss man sich einmal die Frage stellen, warum der Geldnehmer ein Referendum abhalten soll und die Geldgeber wiederum nichts zu sagen haben.

Caesar konnte Rom übrigens nahezu widerstandslos in seine Gewalt bringen.  Seine Gegner flüchteten nach Griechenland. Zum Glück hat sich die Geschichte zumindest in diesem Punkt nicht wiederholt.


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